Wareneingänge wurden auf Papier erfasst, abends abgetippt — 24 Stunden Verzögerung in der Bestandssicht. Eine PWA später sind Bestände live.
Die Ausgangssituation
Ein Logistikbetrieb mit drei Lagerstandorten hatte einen klassischen Workflow: Wareneingang wird auf Papier erfasst, abends an die Verwaltung gegeben, dort am nächsten Vormittag im ERP gebucht. Resultat: Bestandsdaten waren strukturell 24 Stunden veraltet. Bei Anfragen mussten Mitarbeiter mehrfach prüfen, oft manuell vor Ort nachzählen.
Konkreter Auslöser: ein wichtiger B2B-Kunde bekam dreimal die Antwort „lieferbar“, obwohl die Ware bereits an einen anderen Auftrag gegangen war. Drei Bestellungen mussten storniert werden, der Vertrieb musste sich erklären. Das war der Punkt, an dem der Geschäftsführer entschieden hat: das Thema wird gelöst.
Unser Vorgehen
Die Anforderung war klar: keine neue App-Installation pro Gerät, robust auf billiger Hardware (12 alte Android-Tablets aus dem Bestand), offline-fähig für die Bereiche im Lager mit schwachem WLAN. PWA war damit gesetzt — keine App-Stores, keine Native-Pflege.
Backend in Python/Flask, weil die Integration mit dem bestehenden ERP eh über Python lief. Bestandsänderungen werden zuerst lokal in der PWA quittiert (sofortiges Feedback), erst danach an den Server gesendet (eventually consistent).
Die Lösung
- Touch-optimierte PWA — installierbar über Browser, keine App-Stores
- Barcode-Scan via Tablet-Kamera (für seltene Scans) und Bluetooth-Handscanner (für Volumen-Scans)
- Offline-fähig — IndexedDB cached die letzten Lieferungen, sync sobald wieder online
- Große Buttons (60×60 px+) — bedienbar mit Arbeitshandschuhen
- ERP-Sync alle 2 Minuten über REST
Das Ergebnis
- Bestandsaktualität: von 24 h Verzögerung auf unter 30 Sekunden
- Fehlerquote bei Wareneingang: von ca. 2,1 % auf 0,3 % — etwa 85 % weniger Falschbuchungen
- Doppel-Versprochene-Ware-Vorfälle: in den ersten 6 Monaten nach Go-Live: null
- Hardware-Investition: 0 € — die 12 vorhandenen Tablets reichen, App läuft auf jedem Browser
- Mitarbeiter-Feedback nach 2 Wochen: 9 von 12 Lageristen wollten die App auch in Pausen nicht mehr hergeben
- ROI: nach 5 Monaten allein durch eingesparte Storno-Aufwände und Korrekturbuchungen
Was wir technisch besonders gemacht haben
Sync-Konflikte (z. B. zwei Geräte buchen denselben Eingang) werden serverseitig erkannt und zur manuellen Klärung markiert — kein automatisches Überschreiben. Audit-Trail für jede Bestandsänderung, falls jemals nachvollzogen werden muss, wer was wann gebucht hat. Die PWA ist <14 KB gepresst — auch alte Tablets im 4G-Funkloch laden sie in unter einer Sekunde.
„Endlich nicht mehr Abtippen am Abend — die Liste ist einfach immer aktuell."— Lagerleiter, Logistikbetrieb Bayern
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